Ich bin sicher, dass Ihnen das Konzept einer Wanderausstellung bekannt ist. Meistens handelt es sich dabei um eine Auswahl aus einer Sammlung, zusammengestellt von einem Spezialisten (oder dem Sammler selbst), die in verschiedenen Museen und Galerien gezeigt werden soll. Manchmal erfindet ein studierter Kunstliebhaber ein Thema, um darunter unterschiedliche Künstler, Stile oder Zeiträume zu vereinen. Wie bei einer Anthologie. Man muss schon einiges unternehmen, um Galeriebesitzer oder Museumsdirektoren für die Idee zu begeistern; die Wanderroute festzulegen - gar nicht zu reden von all dem Versicherungskram, der bedacht werden muss. Wenn die Organisation perfekt ist, benötigt man eine mächtige Maschinerie für Werbung und Veröffentlichung. Das alles ist kompliziert und teuer und muss deshalb im gebräuchlichsten Sinne des Wortes erfolgreich, also finanziell lohnend, sein. Aber letztendlich haben Sie oder ich mit etwas Glück die Chance, Kunstwerke zu sehen, die uns unter anderen Umständen nie begegnet wären.
Nun gut. Neuerdings hat die weltweite Idee, eine Grippe zu bekämpfen, indem man die Kultur abschafft und ihre Reste ins gähnende Maul des Internets wirft, das alles beendet. Als Künstler muss man etwas Neues erfinden, um die Reiselust; den Drang seiner Werke, gesehen zu werden, zu befriedigen. Also sagte ich zu ihnen: Ihr wollt wandern? Nur zu! Mit meinen besten Wünschen, wandert! Macht eine Reise, woimmerhin ihr möchtet. Hier ist ein Rucksack. Verliert ihn nicht, denn er gehört nicht mir. Und bringt eine Geschichte mit zurück und ein paar nette Fotos. Zieht los!
Das war eine Aufregung, wie Sie sich vorstellen können. Zu meiner Überraschung wollte keines der größeren Gemälde - trotz des ganzen Gejammers zuvor - wirklich von den heimischen Wänden herunter oder heraus aus dem gemütlichen Bilderregal. So eine Masse von Ausflüchten hört man normalerweise nur von Menschen. Tatsächlich waren es nur die winzigsten Bilder, die tatsächlich bereit waren, aufzubrechen. Und noch nicht einmal alle von ihnen. Manche zögern immer noch; hängen da herum zwischen Sehnsucht und Furcht. Ich vermute, sie warten darauf, dass die ersten Nachrichten und Fotos eintreffen, um sich später den Pionieren anzuschließen, die sich die "Großen Eroberer" nannten.
Ich musste mich zwingen, nicht zu lachen, aber ihr Enthusiasmus war so ansteckend, dass ich nicht umhin konnte, ihnen eine Wundervolle Wanderausstellung zu wünschen.


Timo, März 2021